Stromanbieter wechseln: so sparst du wirklich

Aktualisiert am 23. August 2026von Carsten Eckhardt

Illustration: Steckdose mit Blitz, Gasflamme und Euro-Münzen
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Das Wichtigste in Kürze

  • In der Grundversorgung zahlst du aktuell rund 40 Cent pro Kilowattstunde, günstige Neukundentarife liegen bei etwa 25 Cent (Verivox, Stand: August 2026).
  • Für einen Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch macht das rund 550 Euro Unterschied, jedes Jahr.
  • Kündigung und Anmeldung übernimmt der neue Anbieter, dein Strom fließt lückenlos weiter.
  • Aus der Grundversorgung kommst du jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen raus (§ 20 StromGVV).
  • Rechne mit dem Effektivpreis fürs erste Jahr und schau dir zusätzlich den Preis ohne Bonus an.
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Wenn dein Strom zu teuer ist, hilft fast immer derselbe Schritt: raus aus der Grundversorgung oder dem alten Bestandstarif, rein in einen günstigen Sondervertrag. In der Grundversorgung zahlst du aktuell rund 40 Cent pro Kilowattstunde, günstige Neukundentarife liegen bei etwa 25 Cent (Verivox, Stand: August 2026). Für einen Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch macht das rund 550 Euro Unterschied, jedes Jahr.

Der Wechsel selbst kostet dich etwa 15 Minuten am Rechner. Kündigung und Anmeldung übernimmt der neue Anbieter, dein Strom fließt lückenlos weiter, und seit Juni 2025 muss die technische Abwicklung des Wechsels sogar innerhalb von 24 Stunden erledigt sein. Was du vorher wissen solltest: wie du Bonus-Fallen erkennst und welche Preisgarantie wirklich schützt. Genau das klären wir jetzt.

Strom zu teuer, was tun?

Erst messen, dann handeln. Nimm deine letzte Jahresabrechnung und teile die Gesamtkosten durch deinen Verbrauch in Kilowattstunden. Liegt dein Preis spürbar über 30 Cent pro Kilowattstunde, zahlst du zu viel. Zur Einordnung: Der Durchschnittspreis für Haushalte liegt 2026 laut BDEW bei 37 Cent pro Kilowattstunde, günstige Neukundentarife kosten laut Verivox rund 25 Cent (Stand: August 2026).

Zwei Hebel wirken sofort. Erstens der Tarifwechsel, um den es hier geht. Zweitens ein Blick auf den Abschlag: Wenn dein Anbieter den Abschlag zu hoch angesetzt hat, gibst du ihm einen zinslosen Kredit. Senken lohnt sich aber nur, wenn dein Verbrauch das hergibt, sonst kommt die Nachzahlung. Stromsparen hilft langfristig, doch kein Kühlschranktausch bringt dir so schnell so viel wie der Wechsel aus einem überteuerten Tarif.

Grundversorgung oder Sondervertrag: wo steckst du gerade?

Die Grundversorgung ist das Auffangnetz: Wer nie aktiv einen Stromvertrag abgeschlossen hat, wird automatisch vom örtlichen Grundversorger beliefert, meist den Stadtwerken. Das passiert zum Beispiel nach einem Umzug oder wenn der bisherige Anbieter pleitegeht. Bequem, aber teuer: Im Bundesschnitt kostet die Grundversorgung laut Verivox rund 40 Cent pro Kilowattstunde (Stand: August 2026), einzelne Portale messen sogar über 42 Cent.

Ein Sondervertrag ist alles, was du aktiv abschließt, beim Grundversorger selbst oder bei einem der über 100 überregionalen Anbieter. Hier bekommst du feste Konditionen, oft mit Preisgarantie, und zahlst deutlich weniger. Der Unterschied zwischen Grundversorgung und günstigem Neukundentarif liegt derzeit bei gut 15 Cent pro Kilowattstunde (Verivox, Stand: 04.08.2026).

Schau auf deine Abrechnung oder in die Vertragsunterlagen: Steht dort Grundversorgung oder Ersatzversorgung, bist du im teuersten Modell und kommst besonders leicht raus. Dazu gleich mehr.

Rechenbeispiel: was ein Haushalt mit 3.500 kWh spart

Nehmen wir einen Drei-Personen-Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch. In der Grundversorgung zahlt er bei 40,37 Cent pro Kilowattstunde rund 1.413 Euro im Jahr (Verivox-Bundesschnitt inklusive Grundpreis, Stand: 4. August 2026). Im günstigen Neukundentarif mit 24,72 Cent sind es rund 865 Euro. Ersparnis: etwa 548 Euro im ersten Jahr, ohne dass sich am Stromverbrauch irgendetwas ändert.

Auch wer nicht in der Grundversorgung steckt, sondern einen durchschnittlichen Bestandstarif hat, spart deutlich: Beim BDEW-Durchschnittspreis von 37 Cent kostet der Beispielhaushalt 1.295 Euro im Jahr. Der Wechsel in den 25-Cent-Tarif bringt immer noch rund 430 Euro.

Wichtig für deine eigene Rechnung: Vergleiche immer Gesamtkosten pro Jahr, also Arbeitspreis mal Verbrauch plus Grundpreis. Ein Tarif mit niedrigem Arbeitspreis und hohem Grundpreis kann für Wenigverbraucher teurer sein als umgekehrt. Welche Kriterien ein Tarif außerdem erfüllen sollte, von der Preisgarantie bis zur Kündigungsfrist, bündelt unsere Vergleichsseite Strom und Gas.

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Kündigungsfristen: so schnell kommst du raus

In der Grundversorgung ist die Sache einfach: Du kannst jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen kündigen, in Textform, also auch per E-Mail (§ 20 StromGVV). Ein Grund ist nicht nötig. Wer hier zu viel zahlt, kann also in zwei Wochen im neuen Tarif sein.

Bei Sonderverträgen gilt die vereinbarte Laufzeit, üblich sind 12 Monate. Danach darf sich der Vertrag nicht mehr still um ein Jahr verlängern: Nach der ersten Laufzeit kannst du monatlich mit einer Frist von einem Monat kündigen. Und erhöht dein Anbieter die Preise, hast du ein Sonderkündigungsrecht und kommst zum Zeitpunkt der Erhöhung raus, egal wie lange der Vertrag noch läuft. Die Frist dafür ist kurz, reagiere also zügig auf das Preiserhöhungsschreiben.

Seit dem 6. Juni 2025 gilt außerdem der 24-Stunden-Lieferantenwechsel nach § 20a Abs. 2 EnWG: Die technische Abwicklung zwischen neuem Anbieter, altem Anbieter und Netzbetreiber muss werktags innerhalb eines Tages abgeschlossen sein. Vorher zogen sich Wechsel oft über Wochen. Aber Vorsicht vor der Schlagzeile: Die Regel beschleunigt nur die Abwicklung. Deine Kündigungsfrist und deine Vertragslaufzeit gelten weiterhin. Wirklich binnen 24 Stunden wechseln kann nur, wer vertraglich frei ist, etwa in der Grundversorgung nach Ablauf der zwei Wochen.

Bonus-Fallen: warum nur der Effektivpreis zählt

Viele Tarife locken mit Neukundenbonus und Sofortbonus, zusammen gern 200 Euro und mehr. Daran ist nichts verwerflich, solange du richtig rechnest. Die Falle: Vergleichsrechner sortieren gern nach dem Preis im ersten Jahr inklusive aller Boni. Der Tarif sieht spitze aus, ist ohne Bonus aber teurer als der Zweitplatzierte. Ab dem zweiten Jahr zahlst du drauf.

Deshalb rechne mit dem Effektivpreis fürs erste Jahr, also Jahreskosten minus Boni geteilt durch Verbrauch, und schau dir zusätzlich den Preis ohne Bonus an. Ist der Tarif auch ohne Bonus konkurrenzfähig, kannst du bleiben. Ist er es nicht, wechselst du nach zwölf Monaten wieder. Das ist legitim und gewollt, verlangt aber, dass du dir eine Erinnerung in den Kalender setzt.

Lies auch die Bonusbedingungen: Meist gibt es den Neukundenbonus erst nach zwölf Monaten ununterbrochener Belieferung, und wer vorher kündigt oder in den letzten sechs Monaten schon einmal Kunde war, geht leer aus. Ein Sofortbonus wird dagegen in den ersten Wochen ausgezahlt und ist damit die sicherere Variante.

Preisgarantie: drei Arten, große Unterschiede

Preisgarantie klingt nach Rundum-Schutz, ist aber ein dehnbarer Begriff. Die eingeschränkte Preisgarantie ist der Standard: Sie friert nur Energiekosten und Vertriebskosten ein. Steigen Netzentgelte, Umlagen oder Steuern, darf der Anbieter das an dich weitergeben. Da diese staatlichen und regulierten Bestandteile grob die Hälfte des Strompreises ausmachen, ist der Schutz real, aber eben halb.

Die volle Preisgarantie deckt zusätzlich Netzentgelte und Umlagen ab, ausgenommen bleibt praktisch immer nur eine Änderung der Mehrwertsteuer oder neu eingeführte Steuern. Sie kostet meist einen kleinen Aufpreis und lohnt sich vor allem, wenn du für 24 Monate abschließt und Planungssicherheit willst.

Achte neben der Art auch auf die Dauer: Eine Garantie, die nach sechs Monaten ausläuft, während der Vertrag zwölf Monate bindet, ist ein schlechter Deal. Faustregel: Garantiedauer mindestens so lang wie die Vertragslaufzeit, bei aktuell eher fallenden Preisen reicht ein Jahr Bindung völlig.

Schritt für Schritt: so wechselst du in 15 Minuten

  1. Jahresverbrauch und Zählernummer raussuchen, beides steht auf der letzten Abrechnung. Kein Drama, wenn du den Verbrauch nur schätzt: Als Richtwert liegen zwei Personen bei etwa 2.500 kWh, drei bei 3.500 kWh, vier bei 4.000 kWh.
  2. Vergleich starten, Postleitzahl und Verbrauch eingeben. Filter setzen: 12 Monate Laufzeit, Preisgarantie über die Laufzeit, keine Vorkasse, keine Kaution. Nach Effektivpreis sortieren und den Preis ohne Bonus gegenchecken.
  3. Online abschließen. Der neue Anbieter kündigt beim alten und meldet dich beim Netzbetreiber an. Selbst kündigen solltest du nur bei einer Preiserhöhung, wenn die Sonderkündigungsfrist zu knapp für die Abwicklung ist. Danach: Zählerstand am Wechseltag notieren und fotografieren, Schlussrechnung des alten Anbieters prüfen, Kalendererinnerung für den nächsten Tarifcheck in elf Monaten setzen.
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Häufige Fragen zum Stromanbieterwechsel

Kann beim Wechsel der Strom ausfallen?

Nein, beim Anbieterwechsel bleibt deine Wohnung versorgt. Klappt etwas nicht, beliefert dich automatisch der örtliche Grundversorger weiter (Ersatzversorgung, § 38 EnWG), schlimmstenfalls übergangsweise zu teureren Konditionen.

Wie lange dauert der Wechsel wirklich?

Die technische Abwicklung muss seit Juni 2025 werktags innerhalb von 24 Stunden erledigt sein (§ 20a Abs. 2 EnWG). Entscheidend ist aber dein alter Vertrag: Aus der Grundversorgung bist du in zwei Wochen raus, bei einem laufenden Sondervertrag erst zum Ende der Laufzeit.

Muss ich meinen alten Vertrag selbst kündigen?

In der Regel nicht, das übernimmt der neue Anbieter. Ausnahme: Du nutzt ein Sonderkündigungsrecht wegen einer Preiserhöhung. Dann kündige selbst und sofort in Textform, denn die Frist ist kurz, und beauftrage parallel den neuen Anbieter.

Was passiert, wenn mein neuer Anbieter pleitegeht?

Du fällst automatisch in die Ersatzversorgung des örtlichen Grundversorgers, der Strom fließt weiter. Die Ersatzversorgung ist teuer, deshalb solltest du dir dann zügig wieder einen Sondervertrag suchen. Bereits gezahlte Boni oder Guthaben meldest du beim Insolvenzverwalter an.

Lohnt sich der Wechsel auch bei niedrigem Verbrauch?

Ja, nur fällt die Ersparnis kleiner aus. Bei 1.500 kWh und 15 Cent Preisunterschied sind es immer noch rund 225 Euro im Jahr. Achte bei wenig Verbrauch besonders auf den Grundpreis, der schlägt pro Kilowattstunde stärker durch.

Quellen und Stand

Quellen und Stände anzeigen
Alle Preise Stand August 2026. Quellen: BDEW-Strompreisanalyse (bdew.de, Haushaltsstrompreis 2026 durchschnittlich 37 Cent/kWh, Analyse vom 15. April 2026), Verivox Strompreisvergleich (verivox.de, Grundversorgung 40,37 Cent/kWh, Neukundentarife 24,72 Cent/kWh, Stand 4. August 2026), strom-report.com (Grundversorgung 42,83 Cent/kWh, Neukundentarife 24,3 Cent/kWh, Stand 9. August 2026), § 20 StromGVV (gesetze-im-internet.de), § 38 EnWG Ersatzversorgung mit Energie (gesetze-im-internet.de, geprüft am 23.08.2026), § 20a Abs. 2 EnWG und Festlegung der Bundesnetzagentur zum 24-Stunden-Lieferantenwechsel zum 6. Juni 2025 (dejure.org, bundesnetzagentur.de).

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